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: Bühnen :: „Musik ist immer rätselhaft“ :
"Schafe, Monster und Mäuse". So heißt das aktuelle Element of Crime-Album, das wieder tief in jene melancholische-chansoneske Fröhlichkeit entführt, die die Band um Sänger und Texter Sven Regener seit mehr als 30 Jahren perfektioniert hat. Am 8. Mai spielt Element of Crime in Leipzig

Text: Mathias Schulze; Bild: Charlotte Goltermann

Grund genug, bei Regener nachzufragen. Ein Gespräch über Osterfahrungen und das eigene musikalische Selbstverständnis.

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Herr Regner, lassen Sie uns ein bisschen zurückblättern: Es gab Mitte der 80er Jahre Auftritte von Element of Crime (EoC) im Osten, also dort, wo beispielsweise eine andere Liedermachertradition und das notwendige Zwischen-den-Zeilen-Lesen andere Hörgewohnheiten als im Westen etabliert hatten. Von der Bedeutung des Künstlers ganz zu schweigen. Nahmen Sie damals eine andere Rezeptionsweise im Osten wahr?

Man darf das nicht überbewerten: Bevor die Mauer fiel, gab es nur zwei EoC-Auftritte im Osten. Das war beide Male 1987 und beide Male in der Zionskirche in Ostberlin. Das waren unter der Hand und quasi illegal organisierte Konzerte, weil ja eigentlich Konzerte nur mit Genehmigung und unter Durchführung der Künstleragentur der DDR stattfinden durften. Das Interesse für die Band war groß, aber unsere Texte waren auf Englisch, und es gab nicht wirklich eine andere Rezeption als im Westen auch.

Beim ersten dieser beiden Konzerte besuchten wir danach noch ein paar Leute, die im Prenzlauer Berg wohnten und Bilder ihrer Freunde ausstellten. Das war sehr interessant, es war ein Austausch von und unter Künstlern. Beim zweiten Mal gab es den notorischen Skinhead-/Neonazi-Überfall auf das Konzert. Und danach war natürlich klar, dass man das so nicht mehr würde machen können.

Gibt es Inspirationsquellen aus der ostdeutschen Musiklandschaft, die Sie damals (oder heute) schätzen?


Es gab zur Wendezeit viele interessante Bands. Aber wir kannten davon zu wenig, um sagen zu können, wir seien da speziell inspiriert worden.

Warum hat EoC spätestens 1991 (mit dem Album „Damals hinterm Mond") vor allem auf deutschsprachige Songs gesetzt? Die Geschichte der Band fing mit englischem Gesang an.

Wir gründeten die Band 1985, als die Neue Deutsche Welle gerade im Elend zugrundegegangen war. Da wollte keiner mehr deutsche Texte machen oder hören. Außerdem dachten wir, unsere Art von Songs sei eigentlich nur mit englischen Texten denkbar, wegen des Klangs der Sprache. Im Laufe der Zeit und mit zunehmender Sicherheit in dem, was wir taten, konnten wir uns davon freimachen und unseren eigenen Stil auch mit deutschen Texten weiterentwickeln. Wir fanden aber, dass es immer noch dieselbe Band sei, deshalb haben wir den Namen auch nicht geändert. 

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„Wir machen die Welt nicht besser, aber wir machen sie vielleicht ein bisschen schöner, das ist schon sehr viel.“

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Die Aura Ihrer Band ist mehr als die Summe der Songs: Haben Sie den Spirit, den emotionalen EoC-Kos-mos eben – Stichwort „Antihelden" – bei neuen Schöpfungen auch schon mal als Belastung empfunden?

Nein, aber das ist nur, weil wir uns über sowas keine Gedanken machen. Wenn da eine Aura ist, dann kommt sie ja von alleine, da bringt es auch nichts, darauf Rücksicht zu nehmen. Das würde wirklich nur belasten.

Noch einmal das Stichwort „Antihelden": Ist EoC eine Protestband?

Nein, ich glaube nicht. Das wäre mir auch zu defensiv und fremdbestimmt. Wir machen die Band und die Songs, damit es die Band und die Songs gibt. Wir machen die Welt nicht unbedingt besser, aber wir machen sie vielleicht ein bisschen schöner, das ist schon sehr viel.

Ich habe nicht wenige Freunde, die halten die EoC-Alben aus den 90er Jahren für dermaßen große Kunst, dass sie den Alben in den 2000-Jahren skeptisch begegnen. Hören Sie so etwas öfter? Haben Sie dafür eine Erklärung parat?

Nein. Das ist auch Ansichtssache, glaube ich. Kaum hat man ein zweites Album gemacht, gibt es Leute, die das erste Album besser finden. Bei 14 Alben geht da natürlich einiges. Aber das ist auch eines jeden Menschen gutes Recht, finde ich. Wir mischen uns da nicht ein.

Die Historie Ihrer Band führt heute dazu, dass sie oft als Kultband bezeichnet werden. Gibt es die Bedingungen, unter denen so eine „Kultband" entstehen kann, heute noch? Das Schlagwort, das ich dabei im Kopf habe, heißt natürlich „Digitalisierung".


Ich glaube, dass das keinen Unterschied macht. Der Kultbegriff ist an und für sich schwierig, aber das damit umrissene Phänomen hat vor allem mit Musik zu tun, und Musik ist immer rätselhaft und voller Wunder und letzten Endes auch immer analog. Es gibt keine digitalen Schallwellen.

Gibt es eins, zwei, drei Songs von EoC, die Sie besonders mögen? Welche und warum?

Besonders gern mag man oft Songs, die ganz neu sind, weil sie halt neu sind. Oder Songs, die man ganz lange nicht gespielt hat, weil sie dann quasi auch schon wieder neu sind. Aber im Grunde ist es wie mit eigenen Kindern: Man würde nie zugeben, dass man eins lieber mag als das andere.

Was fehlt Ihnen zum vollkommenen Glück?

Eigentlich nichts, weil ich mit dem vollkommenen Glück nicht so viel anfangen kann. Kaum denke ich über sowas nach, schon komm’ ich nicht mehr weiter. Es ist wie verhext!

Haben Sie gerade neue Pläne – egal, ob es jetzt ein Roman, ein Album oder sonstiges ist?


Nein, ich bin im Moment ganz froh, wenn ich mal nicht so lange im Voraus verplant bin. Erstmal die Tournee spielen, dann weitersehen!


Element of Crime, 7. Mai um 20.30 Uhr im Alten Schlachthof Dresden, 8. Mai um 20 Uhr im Leipziger Haus Auensee, 9. Mai um 20.30 Uhr in der Thüringenhalle Erfurt, www.element-of-crime.de



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