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: Kultur :: Das alles, und noch viel mehr :
Nur ein Jahr nach Eröffnung des WUK Theater-Quartiers im ehemaligen Kulturhaus „Kurt Wabbel" am Holzplatz 7a kann das Team um Nicole Tröger und Tom Wolter jetzt Vollzug melden. Gemeinsam mit der Leipziger Stadtbau AG haben die Theaterleute Haus und Grundstück erworben. Ein Coup in der sonst so notorisch klammen Qff-Theaterszene der Stadt. Mit welchem Ziel? Mathias Schulze war auf Vor-Ort-Termin

Text & Bild: Mathias Schulze

Die ersten augenfälligen Aufmerksamkeitssignale prägen sich ein. Da gibt es ein graphisch gestaltetes Eingangstor, einen großen Dank an Marc Antoine Petit. Ein fünfzackiger rote Stern, übrig geblieben vom Spielzeitkapitel „Moskau Moskau", ziert das Dach. Im Foyer liegen Flyer, der überfüllte Aschenbecher vor der Tür zeugt von Geschäftigkeit. In das ehemalige Kulturhaus „Kurt Wabbel" ist Leben eingezogen, eine vitale Gegenwart erinnert an die Spuren der Vergangenheit. Kaum eingetreten, schnurrt die Katze Madame Kurt Wabbel um die Beine, charmant die Spendendose, die man zugunsten der Vierbeinerin füllen darf. 

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Tom Wolter, neben Nicole Tröger der Hauptverantwortliche des WUK Theater-Quartiers, geleitet nach oben. Dort gibt es eine Bar, Tische, Stühle, Bücher zeugen von der letzten Lesung. „Kaffee? Kekse?" Beherzt greift Wolter zum Backwerk, es sei sein Mittagessen. Sofort ist die Aura des Anpackens spürbar. Tröger zögert nicht lange, die Neuigkeiten müssen raus: „Jetzt sind wir nicht mehr nur Mieter, sondern Besitzer. Mitte Dezember zieht der bisherige Mitmieter aus."

Wir? Das ist ein Verbund von acht Theaterbegeisterten, das ist der Verein „Werkstätten und Kultur Halle" und fünf weitere Mitarbeitende. Sofort rasseln die Überlegungen in den urigen Raum. Der Besitz bringe Verpflichtungen mit sich, aber endlich falle ein logistischer Aufwand weg, endlich sei eine dauerhafte Perspektive entstanden. Wolter nippt am Kaffee: „Wir haben das Objekt, dazu gehört auch das ungefähr 4.700 Quadratmeter große Grundstück, gekauft. 300.000 Euro, ein Großteil davon hat die Leipziger Stadtbau AG bezahlt."

Zahlen, Fakten, Realitäten. Das ist die Basis für die Freiheit der Kunst. Die Handarbeit von Freunden nicht zu vergessen, Tröger schiebt nach: „Sobald der Mitmieter, ein Eigenbetrieb für Arbeitsförderung, ausgezogen ist, rücken die Helfer an. Wir wollen über die Feiertage Wände einreißen, wir wollen einen großen Theatersaal bauen." Während anderswo die weihnachtlichen Entenkeulen brutzeln, gibt es am Holzplatz Schutt, Zigaretten und Utopien. Wolter ergänzt: „Der Raum soll ungefähr 300 Quadratmeter groß sein, 98 Personen passen dann rein, am 11. Januar, zum Kapitel „Aufklärung", soll er eröffnet werden."

Zudem wird es weiterhin zwei Arbeitsräume geben, ein Aspekt, den Wolter mehrfach betont: „Wir sind und bleiben auch ein Produktionsstandort." Tröger nickt, die DNA des WUK-Theater-Quartiers will mit Blick auf den neuen Saal ausdrücklich formuliert sein: Die Bereitschaft, mit anderen Institutionen zusammenzuarbeiten, ist grundsätzlich gegeben. Nur muss die Kooperation auch in die eigene Programmatik passen. „Wir haben uns entschieden, in Kleinstspielzeiten, wir nennen sie Kapitel, zu arbeiten. Diese sind immer thematisch und auch ästhetisch definiert. Dasjenige, was unsere Gäste mitbringen, sei es Musik, Schauspiel, Figurentheater, Tanz oder eine Lesung, muss da reinpassen", so Wolter. Tröger lehnt sich in den bequemen Stühlen zurück: „Wir sind ein Freiraum für professionelle darstellende Kunst." 

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„Der Holzplatz wird zum Zentrum, die Potenz des Grundstücks ist enorm.“

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Wolter erzählt von der aktuellen Crowdfunding-Aktion, es geht um die technische Einrichtung des neuen Raumes, es geht um ein Vorhangsystem, es geht um 12.000 bis 30.000 Euro. Wolter erzählt von den Betriebskosten im abgelaufenen Jahr – 30.000 Euro. Er erzählt vom Landesförderungsgesetz, das zwar Projekte, aber keine Spielstätten unterstützt. Ein Umstand, der längerfristige Planungen mit Partnern erschwert. Man will mit Bundesprogrammen einen Weg finden. Tröger nickt, Interessierte brauchen klare Ansagen: „Unser kulturpolitischer Kampf geht weiter."

Rundherum sieht es derweil blühend aus. Im Sommer zeigte das Brückenfest, dass der Holzplatz ein von allen Stadtseiten gut erreichbares Zentrum werden kann. Man zeigte in Kooperation mit dem Luchs Sommerkino, parallel dazu Open-Air-Theater, das zum Sommertheaterfest Pfänners Freiheit lief. Das anliegende Autohaus entpuppte sich als wirtschaftlicher Partner, im Gasometer wird ab 2021 das Planetarium eröffnet. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft nebenan, eine Schule, die es ab 2019 geben soll, und ein anliegendes Altenheim versprechen partnerschaftliche Synergien.

Ein bisschen Glück gehört dazu, dieses Mal holt Wolter zum prägenden Satz aus: „Der Holzplatz wird zum Zentrum, als wir vor einem Jahr angefangen haben, ist es ein leerer Ort gewesen. Die Potenz des Grundstücks ist enorm."

Und wie sieht es rückblickend aus? „Es hat sich bewährt, dass wir uns die Freiheit des Ausprobierens genommen haben", so Tröger. Anfangs kamen von außen die Forderungen: Wofür steht ihr? Für Theateraufführungen? Für Theaterproben? Für Workshops? Für Kino? Für Lesungen?

Die Antwort ist einfach: Für das alles, und noch viel mehr. „Da wir auch ein Produktionsstandort sind, gibt es auch mal zwei bis vier Wochen, in denen wir nichts veranstalten. Man kann also nicht automatisch jeden Woche zu uns kommen", so Wolter, der auch darauf verweist, dass das WUK-Theater- Quartier bald ein zweites Studierendentheater, das Maltheanders, beheimaten wird.

Das Telefon klingelt, die Kekse sind verspeist, Wolter muss los, Tröger setzt sich gleich wieder ins Büro. Auf dem Heimweg vervollständigt sich ein Eindruck: Respekt gegenüber denjenigen, die anpacken – Halle ist um ein kulturelles Begegnungszentrum reicher!

Crowdfunding-Aktion für die Technik des neuen Saales: www.startnext.com/wuktheater- quartier-saal 
 

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