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: Kultur :: Immer überm Tellerrand :
Professor Ulrich Klieber, Jahrgang 1953, verabschiedet sich von der Kunsthochschule Burg Giebichenstein. Doch Ruhestand ist nicht gleich Ruhestand. Klieber setzt seine Lehrtätigkeit zukünftig in Vietnam fort. In Halle sind neuere Werke von ihm noch bis 12. Mai in der Ausstellung "Reportagen" im Volkspark zu sehen. Zudem erscheint am 15. Mai das Lehrbuch "Kopfporträt – Annährung an ein schwieriges Thema". Mathias Schulze war im April bei der Ausstellungseröffnung im Volkspark dabei

Text: Mathias Schulze; Bild: Eike Käubler

„Ich bin ein Fan von Ulrich Klieber!" Sagt wer? Kliebers Nachfolger. Der neue Burg-Rektor, Professor Dieter Hofmann, stellt gleich zu Beginn seiner Rede alle Zeichen auf eine respektvolle Sympathiebekundung. Der rappelvolle Saal des Volksparks und der langanhaltende Applaus sind ein Hinweis darauf, dass hier mehr als nur formale Huldigungen veräußert werden. 

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Ulrich Klieber scheint in seinen 24 Jahren an der Burg einen ziemlich bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Hofmann lobt seinen Humor, „der sich in der Farbigkeit seiner Arbeiten widerspiegelt." Er betont den großen Respekt, den Klieber seinen Motiven entgegenbringe. Und dann gibt es da ja noch diese „höchste literarische Qualität" Kliebers geschriebener Reisereportagen. Klieber sei, so Hofmann, ein „Lehrer, ein Künstler, ein Weiser, weil er die Gabe besitzt, wie eine leere Leinwand durch die Welt zu gehen." So gelinge es ihm, seine vielfältigen Eindrücke intuitiv und neu zusammenzusetzen.

Der Geehrte mit dem schlohweißen Haar blinzelt derweil in die ersten Frühlingssonnenstrahlen. Im anschließenden Gespräch kommentiert er seinen Entschluss, Halle zu verlassen, so: „Meine Dienstzeit ist abgelaufen, man muss loslassen können. Es ist an der Zeit, dass ich mich selbst rausnehme, damit neue Leute die Chance haben, die Dinge neu machen zu können." Natürlich fällt es schwer wegzugehen, in den Jahren seien viele Freundschaften entstanden.

Nun aber hat Klieber das Gefühl, den Platz räumen zu müssen: „Ein Kollege hat einmal so schön flapsig gesagt: Wenn der General geht, darf er fünf Jahre die Kaserne nicht betreten." Klieber hat in seinen 24 Jahren an der Burg nicht nur bildnerische Grundlagen gelehrt, sondern vor allem als Rektor (2003 bis 2010) die Internationalisierung der Burg vorangetrieben: „Das war mein wichtigstes Thema." Kuba, Vietnam, China und Japan. Klieber nennt diese Länder in einem Atemzug mit den Worten „Kontakte" und „Freundschaften". Jetzt will er in Vietnam noch einmal richtig in die Lehre einsteigen. 

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„Die Arbeit mit jungen Leuten hat mich immer beglückt.“

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Klieber braucht diesen Jungbrunnen, so bleibt er am Puls der Zeit: „Die Arbeit mit jungen Leuten hat mich immer beglückt." Und die Sprache? „Das ist kein Problem, die Studierenden sprechen dort ein ganz tolles Englisch. In der Kunst geht die Verständigung viel über die Materialen, über das Zeigen und das Nonverbale."

Rückblicke formuliert Klieber immer auch mit einem Hauch von Stolz. Als er 1995 anfangen hat, hätte es viel Konfliktpotenzial gegeben: Wie kann die DNA der Burg erhalten bleiben? Wie muss sie sich aufstellen, um auch in Zukunft eine Rolle spielen zu können? Wie sieht eine moderne Kunst- und Designausbildung aus? „Es ging damals darum, die typische Vielfalt zu erhalten. Das haben wir geschafft", so der Künstler. Heute stellt niemand mehr die traditionellen Bereiche wie Schmuck, Buchkunst oder Keramik in Frage. Zudem hat man über die Jahre neue Aspekte integrieren können. Man denke an die Bereiche Medien und Fotografie. „Die Grundlagenausbildung und die Art des vielschichtigen Lehrprogrammes und dessen Verzahnung der einzelnen Bereiche haben in Halle ein einmaliges Gepräge", so Klieber.

Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen und Haltungen, also vom Schmuck über die Grafik, vom Bildhauer bis zum Theaterpädagogen, prägt auch Kliebers neues Lehrbuch „Kopfporträt – Annäherung an ein schwieriges Thema": „Das Thema Kopf und Porträt ist für viele Schüler und Studierende ein Angstthema. Viele reduzieren es auf eine Wiedererkennbarkeit." Dabei sei dies gar nicht das Wichtigste, ein Porträt könne beispielsweise auch eine Karikatur sein. Klieber will mit dem Buch den Zugang zu einem oftmals mutlos machenden Thema erleichtern. Auf die Frage, was ihm zum vollkommenden Glück fehle, gibt er diese Antwort: „Ich weiß es nicht, Glück sind für mich nur Momente. Und wer in der Kunst kein Problem hat, der hat ein Problem." Und Kunst selber? Die ist für Klieber Verarbeitung, Ordnen und Sortieren.

Und warum sollte man den Weg zum Volkspark, zur seiner aktuellen Ausstellung „Reportagen", nehmen? „In meinen Bildern erzähle ich Geschichten. So kann man in ihnen lesen, wie ein Europäer Asien sieht. Vielleicht macht mein Werk Appetit, in eine fremde Welt einzutauchen." So würde man erkennen, dass die Dinge anderswo anders funktionieren, dass uns die Unterschiede reicher machen, denn darum, so Klieber, gehe es: „Immer über den Tellerrand schauen. Und Toleranz und Respekt für einander entwickeln."

Ulrich Kieber – Reportagen, bis 12. Mai, Volkspark, Schleifweg 8, täglich von 14 bis 19 Uhr, mehr zum Buch: www.coq-art.eu/p/ ulrich-klieber-kopfportraet 


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