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: Bühnen :: Am Ende ist man schockgefroren :
Der Sohn: Ein Attentäter! Die Mutter fragt nach ihrer Schuld. Das Anhaltische Theater Dessau zeigt mit "Gas – Plädoyer einer verteilten Mutter" ein berührendes Theaterstück

Text: Mathias Schulze; Bild: Claudia Heysel

Eine Lichtung in der Natur, im Bühnenhintergrund ein schwarzer Vorhang. Illi Oehlmann spielt eine Mutter, die ihren Sohn verloren hat. Es folgt ein gut 70-minütiger Monolog, es folgt ein Theaterstück, das gerade ob seiner minimalen Ausstattung zum Besten gehört, was derzeit in Mitteldeutschland zu erleben ist. Am Ende ist man schockgefroren und um ein seltenes Gespür für das Unerklärliche bereichert. 

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Text? Tom Lanoye. Regie? Johannes Weigand, Generalintendant des Anhaltischen Theaters Dessau. Der Sohn verübte einen Giftgasanschlag in der U-Bahn, 184 Menschen sind tot. Der Sohn wurde von der Polizei erschossen. Der Rest? Trauer, Wut, zerrissene Nerven. Alles strahlt im Dämmerlicht der Ambivalenz. Wer es eindeutig haben will, offenbart seine Hilflosigkeit. Die Mutter wankt zwischen Erzählung und Erlösungsbitten: Bin ich schuldig?

Oehlmann berichtet von den Pubertätspickeln des Sohnes: „Du darfst nicht kratzen!" Ratschlag für Ratschlag wurde die zweite Nabelschnur durchtrennt. Die Vögel zwitschern im Wald, im Publikum wagt man kaum zu atmen: „Mein Kind war ein Produkt der Zeit. Wenn es ihn nicht gegeben, hätten sie ihn erschaffen." Tobsuchtsanfälle, verfügbare Titten im Netz, Computer und Rückzug, Sex und PS – derweil die Pickel blühen.

Der Bauplan für den Giftgasanschlag kam aus dem Internet, die Motivation dafür nicht. Die Mutter offenbart sich als prekär Beschäftigte, durchsiebt von Vorwurfsblicken fragt sie: „Na, Sie haben Ihr Urteil schon gefällt?! Benachteiligtes Milieu, oder? Dann stehen uns noch viele Terroranschläge bevor!"

Im Leichenschauhaus trug der Sohn einen Bart, das ganze Dschihad-Zeugs. Die Mutter lächelt mit gläsernen Augen: „Er sah tot so schön aus. Er wirkte glücklich, triumphierend. Als würde er sagen: Seht her, was ich getan hab’!" Ist das ein Minderwertigkeitskomplex oder eine Selbstverwirklichung?

Oehlmann hält die Innereien des Publikums in den Händen. Würden ihre Tränen auf den Boden fallen, sie würden sich wie eine Explosion anhören. Blitzlichtgewitter der Journalisten, die Mutter als Mama des Teufels. Danke, liebe Klatschblätter! Der Westen gebiert seine Ungeheuer selbst. Angemessen wirkt die Stille, in die man entlassen wird.


„Gas – Plädoyer einer verurteilten Mutter", nächste Vorstellungen am 13. und 14. Dezember im Studio des Anhaltischen Theaters Dessau im Lily-Herking-Platz 1, jeweils 15 Uhr, www.anhaltisches-theater.de 




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