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: Bühnen :: Beängstigend gut :
Wie das Schauspiel Leipzig unter der Regie von Armin Petras, Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein" (1947) mit der Geschichte einer oppositionellen Jugendbewegung während der NSZeit verknüpft, ist ganz starkes Theater

Text: Mathias Schulze; Bild: Rolf Arnold

Auf der Bühne steht ein drehbares mehrstöckiges Haus, die umliegende Straße ist der Kampfplatz jener Deutschen, die gerade nicht an der Front ihr Leben vergeuden. Der faschistisch überzeugte Kleinbürger gegen den Demokraten. In Kneipen trifft man sich, im Viertel kennt man sich, Gewohnheitsbindungen und Freundschaften: „Wer Deutschland liebt und Einigkeit, der trinkt auch mal ’ne Kleinigkeit!" Wir sind in Leipzig, in Berlin, in Dresden, in einer Stadt in Deutschland. Und die Zeit? Die steht punktgenau auf Diktatur, konkret auf NS-Regime. Hier geht es um zeitlose Mechanismen. 

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Die Inszenierung lotet die Widerstandsspielräume in allen diktatorischen Systemen aus. Die einfachen Leute, Schreinermeister Otto Quangel (Wenzel Banneyer) und seine Frau Anna (Julischka Eichel), erfahren vom Tod ihres Sohnes, im Kampf für seine Vaterland ist er krepiert. Fortan werden Banneyer und Eichel exzellent gespielte Fixpunkte des Abends sein. Sie werden zu Widerstandskämpfern, sie schreiben Postkarten. Und sie haben ihre historischen Vorbilder.

Die wichtigsten, realen Fakten seien genannt: „Die Hitlerei bringt dem Volk keinen Frieden!" So schrieb es Otto Hampel 1941 auf eines seiner über 200 verteilten Flugblätter in Berlin. Für so viel Mut zur Freiheit des Geistes und der Schrift wurde Hampel zusammen mit seiner Ehefrau Elisa 1944 hingerichtet.

Der Schriftsteller Hans Fallada, längst von den überlebensnotwendigen Zugeständnissen im NSStaat physisch verwüstet und geistig erschöpft, bekam den historischen Stoff vom späteren DDRKulturminister Johannes R. Becher nach dem Krieg zugespielt. So entstand sein legendärer Roman „Jeder stirbt für sich allein" in nur vier Wochen – während eines Morphiumentzuges in einer Nervenklinik.

Im Roman erzählt einer, der dageblieben ist, von den Möglichkeiten eines innerdeutschen Widerstandes. Der Regisseur Armin Petras und die Dramaturgin Clara Probst verbinden den Stoff nun mit der Geschichte der Leipziger Meuten, eine von vielen oppositionellen Jugendbewegung in Deutschland, die heute unter der Fokussierung auf die Weiße Rose meist vergessen sind. Einige Meuten starben im KZ.

Das Theaterstück verzahnt die Ereignisse. Dabei, das macht das Stück zum großen Gesellschaftspanorama mit akutem Gegenwartsbezug, ist stets ein wacher, analytischer Geist präsent. Kocht Klamauk aus einem Kessel, in dem viel zu viel Druck ist, ist das gar nicht so sehr als Bruch wahrnehmbar, denn all die kleinen und großen Hitlers, Andreas Keller gibt einen furchterregenden Obergruppenführer, sind eben auch unfassbar lächerlich. Je lächerlicher, desto mehr schleppen sie ins Konzentrationslager.

Am und im drehbaren Haus wohnen sie alle, alles ist so eng miteinander verflochten. Oben lebt der Jurist, der schon längst von der NS-Justiz in den Ruhestand verschickt ist. Fassungslos schaut er dem mörderischen Treiben zu, am Ende ist sein letztes Einstehen für Gerechtigkeit nur noch der Umstand, dass er Otto Quangel ein schnell wirkendes Todesgift reichen kann – so bewahrt er ihn vor der Folter, vor dem KZ, vor dem grausam schmerzenden Tod im Leben.

Sterben muss er trotzdem. Freundschaften zerbrechen, Bespitzelungen, es herrscht ein billiges Freund-Feind-Schema, das die sozialen Bindungen zersetzt. Nebel, Klaviermusik, Fliegeralarm, es donnert und bombt, das blonde Nazi-Püppchen raunt ihren Obermacker an: „Was, du kannst nicht zu mir kommen? Seit wann ist dir eine Enthauptung wichtiger als ich?"

Die Nazis brauchten und brauchen ihre Feindbilder: den Westen oder den Osten, den Liberalismus, die Demokratie. Einmal brüllt der Obergruppenführer in den Raum: „Dies Volk wird frei werden, das kein Glück mehr will, sondern seine Züchtung!" Das Theaterstück zeigt, wie der NS-Terror, wie jede Diktatur die Bindungen der Gesellschaft zersetzt, es zeigt, wie der Wahnsinn sich langsam, aber stetig ins Gemeinwesen frisst. Das ist beängstigend gut und hellsichtig gegenwärtig. Ganz starkes Theater.

Jeder stirbt für sich allein / Die Leipziger Meuten, nächste Vorstellung am 8. und 27. Februar um 19.30 Uhr im Schauspiel Leipzig



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