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: Bühnen :: Zarte Düsternis :
Sophie Hunger steht für wunderbare, minimalistische Folk-Jazz-Hybriden. Heute wohnt sie in Berlin, auf ihrem aktuellen Album „Molecules" hat sie die elektronische Musik für sich entdeckt. Dennoch durchdringt weiterhin eine Intimität ihre Musik, die an Beth Orton und Regina Spektor erinnert. Bei Hunger gibt es existenzielle Hymnen, eine global-magische Atmosphäre und eine zarte Düsternis

Text: Mathias Schulze; Bild: Marikel Lahana

Vor ihrem Konzert am 8. Februar im Leipziger Täubchenthal haben wir bei Hunger nachgefragt.

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Frau Hunger, wie viel Ihrer protestantischen Herkunft steckt noch in Ihnen?

Puh, was für eine Einstiegsfrage! Gut. Schwer zu sagen, nicht mehr so viel. Zumindest denke ich, dass ich schon viel abgearbeitet habe. (lacht).

Das neue Album „Molecules" überrascht mit minimalistisch-elektronischem Folk. Die Presse schreibt dann auch viel über einen künstlerischen Neuanfang. Das ist eine Illusion, oder?

Musikalisch gibt es vier Elemente: Drum-Machine, Synthesizer, Gesang und akustische Gitarren. Es gibt nur eine Sprache: Englisch. Also, formal kann man es als einen Neuanfang interpretieren. Inhaltlich natürlich nicht, es sind weiterhin Songs mit Versen und Refrains.

Es gibt Künstler, die arbeiten vor allem daran, möglichst kontinuierlich an einem festen Markenkern erkennbar zu sein. Sie hingegen experimentieren künstlerisch. Und Sie erklärten in einem Interview, dass einige Ihnen zu einer deutsprachigen Norah Jones-Platte rieten – dann könnten Sie sich ein Haus am See bauen. Warum machen Sie das nicht einfach?

(Lacht): Also, ich fände es langweilig, nicht zu experimentieren. Ich suche mir das, was mich brennen lässt. Und ob ich überhaupt eine deutschsprachige Norah-Jones- Platte machen könnte, ist die andere Frage. Warum mache ich die nicht einfach? Vielleicht ist es eine Mischung aus Nicht-Wollen und Nicht-Können.

Das künstlerische Brennen. Ist das auch ein innerer Zwang?

Nein, das wäre zu stark formuliert. Ich habe das gefunden, was ich am liebsten mache. Wer will das schon aufgeben?

Sie starteten von der Schweiz in die weite Welt, haben heute eine Wohnung in Berlin, Paris und Zürich. Wie ist es, wenn Sie wieder nach Hause kommen? Empfinden Sie dann eine kulturelle Entfremdung?

Ja, schon. Natürlich fällt mir heute noch stärker auf, wie homogen es in der Schweiz zugeht, wie unglaublich organisiert alles wirkt. Da gibt es im Stadtbild nichts, was aus der Rolle fällt. Überall schmeckt es nach einer Leistungsgesellschaft, in der alles an den Arbeitsrhythmus einer Fünftagewoche ausgerichtet ist. Es gibt wenig Platz für Ausnahmen, für das Extravagante. 
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„Ich fände es langweilig, nicht zu experimentieren.“

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Das Extravagante. Sie fanden dies dann im Musikbusiness?

Am Anfang ist es dort für jeden schwer. Jeder Musiker fängt ja gewissermaßen im Geheimen an. Man spielt für sich, zeigt es Freunden, hofft auf Anerkennung. Wenn man dann tatsächlich in den industriellen Ablauf hineinkommt, muss man auf Kommando spielen und schreiben, kaum etwas wird dem Zufall überlassen. Das fühlt sich anfangs ein bisschen seltsam und komisch an, aber man gewöhnt sich dann schnell daran.

Sie haben ein Studium der Anglistik und Germanistik begonnen: Was wären Sie geworden, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte?

Oh, ich muss mit Stolz ergänzen, dass ich das Studium mit viel Anstrengung und Zeitaufwand auch abgeschlossen habe. Was wäre ich geworden? Wahrscheinlich wäre ich dort geblieben, wo ich zwischendurch gejobbt habe: in der Gastronomie. Daneben hätte ich dann eine Band. Und wäre damit nie auf einen grünen Zweig gekommen (lacht).

Und das bei dem Wissensdrang. Sie besuchen heute noch Vorlesungen an der Universität.

Das ist ja kein Widerspruch. Ich kenne viele Kellner und Kellnerinnen, die in ihrer Freizeit viele Bücher lesen und ziemlich intelligent sind. Und es gibt viele Akademiker, die ich nicht unbedingt als schlau bezeichnen würde. Sie wissen, was ich meine?

Auf jeden Fall, Geist und Wissenschaftsbetrieb sind nicht identisch. Ich möchte Ihnen am Ende eine These vorstellen und um Ihre Einschätzung bitten. Die These ist: „Wie erleben in den nächsten Jahren eine neue, weltweite 68er-Bewegung, eine, die die soziale Frage mit der ökologischen verbindet." Für wie realistisch halten Sie das?


Vielleicht wird es eher eine neue Form von Klassenkampf sein. Vielleicht sogar eine neue Form, die sich mit ökologischen Ideen verbinden lässt.


Sophie Hunger und Band, 8. Februar, 20 Uhr, Täubchenthal in Leipzig, www.sophiehunger.com




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