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: Gesellschaft :: Aufrecht in den Untergang :
Die Figurenspielerin Julia Raab bringt unter der Regie von Sandra Bringer eine außergewöhnliche Lesung ins Neue Theater

Text: Mathias Schulze; Bild: Julia Fenske

Unter dem Titel „… im Frühling hat man keine Lust zu sterben!" werden Abschiedsbriefe von Frauen aus der Todeszelle vorgestellt, die alle zwischen 1943 und 1945 in der Justizvollzugsanstalt „Roter Ochse" in Halle entstanden sind.

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Wie kam es zu diesem Projekt?

Ich habe mich lange mit dem Nationalsozialismus beschäftigt, es begann 2005 mit einer Lesung über Sophie Scholl, die mich bewegt hat, die ich über Jahre auch fortgesetzt habe. Irgendwann habe ich Michael Viebig, den Gedenkstättenleiter des halleschen „Roten Ochsen", kennengelernt. Durch ihn kam ich mit den Briefen aus dem ehemaligen Hinrichtungsgebäude der NS-Justiz in Kontakt, 43 Frauen starben dort durch das Fallbeil. Wir, die Dramaturgin Sandra Bringer und ich, haben uns auf drei Frauen fokussiert: eine polnische Widerstandskämpferin und zwei „einfache" Frauen, die ihre Familie durchbringen wollten, etwas gestohlen hatten. Obwohl die beiden weniger die politische Ebene berühren, stehen sie doch stellvertretend für die 43 hingerichteten Frauen.

Die Diskussionen, wie man eine Erinnerungskultur lebendig halten kann, laufen.

Das Projekt wird in seiner Form auch als Klassenzimmerstück funktionieren. Wir gehen in die Schulen, um im Kontakt mit den Schülern ein lebendiges Gespräch zu initiieren.

Was erzählen uns diese Briefe?

Die Frauen wissen, dass sie noch sechs Stunden zu leben haben. In dieser Situation haben sie einen Stift, einen Zettel. Erstaunlicherweise wirken viele Briefe sehr gefasst, sie erzählen davon, wie man mit Stolz in den Tod geht. Formuliert werden sehr klare Gedanken, teils mit Anweisungscharakter an die Familien.

Die Briefe erzählen von der brutalen und gleichgeschalteten Justiz im Nationalsozialismus, die zur Rechtfertigung der Todesstrafen für vergleichsweise banale Delikte immer wieder von Volksschädlingen, die angeblich das Nazi-Regime von innen aushöhlen, reden. Die Frauen werden als die Inkarnation des Schlechten dargestellt. Es geht darum, wie die gleichgeschalteten Medien die Volksschädlingsideologie übernommen haben.

Es gibt auch Protokolle darüber, wie es im Gefängnis, im Fallbeilraum abgelaufen ist. So will ein Arzt die Augen der Inhaftierten zwei Stunden vor der Hinrichtung verbinden, aber nicht als Schutz für die Hingerichteten, sondern weil er nach dem Tod an ihnen forschen will. Wir stellen mit den Mitteln des Figuren- und Objekttheaters die persönlichen Geschichten von Opfer und Täter gegenüber.

Begriffe wie Volksschädlinge kommen wieder über die Lippen, Alexander Gauland bezeichnet die NSZeit als Vogelschiss. Sie haben die Lesung am 9. November 2018 auch schon im Landtag Sachsen-Anhalt durchgeführt.

Ja, in der dortigen Kantine. Da war mir flau im Magen. In der Vorbereitung hatte ich mir die Frage gestellt, wie ich mich verhalten werde, wenn es, ich nenne es mal so, zu Problemen kommt.

Und?

Es stellte sich heraus, dass niemand von der AfD bei der Veranstaltung war.

Kommen wir zu Ihrer Profession: Was hat Figurentheater einem „Menschenspiel" voraus?

Ich kann mit den Puppen Bilder schaffen, die sehr symbolisch, rätselhaft, sinnlich und deutungsoffen sind. Vielleicht ist das mit einem reinen Menschenspiel so nicht gegeben. In der Verlebendigung des Materials liegt für mich ein großer Zauber.

Aus Zuschauersicht: Ist der Spieler Teil meines Erlebnisses? Oder soll er verschwinden?

Früher sollte er eher verschwinden. Die Puppenspieler spielten in kleinen Buden oder waren durch schwarze Kleidung und Maske ganz verschwunden. Heute dominiert ein offenes Puppenspiel, in dem Spieler und Figur gleichwertig sind. Der Fokus liegt heute auf der Zusammenarbeit. Nehmen wir nur den Konflikt, der entsteht, wenn die Puppe merkt, dass sie geführt wird. Welch ein interessantes, auch ewig-menschliches Phänomen, das enorme Assoziationsräume öffnen kann.

Sie geben auch Workshops und sind Gastdozentin an der Johanniter- Akademie Leipzig?

Ja, seit 2014 unterrichte ich in Leipzig am Bildungsinstitut Mitteldeutschland. Ich vermittle Erziehenden theaterpädagogische Methoden: Spiele, Übungen zu Wahrnehmung und Gruppendynamik. Im Mai leite ich zwei Projektwochen an der Johanniter-Akademie. Die Auszubildenden werden eine Maske bauen und gestalten und probieren, wie sie mit ihr ins Spiel kommen.


„… im Frühling hat man keine Lust zu sterben!", 16. März, Schaufenster, Neues Theater, 20 Uhr, Eintritt frei



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