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: Gesellschaft :: Die tapfere Schneiderin :
Nachdem die Künstlerin Sabine von Oettingen eine aufregende internationale Karriere hingelegt hat, öffnet sie jetzt ihr Modeatelier in Halle. Und dabei wird gefeiert

Text: Annett Krake; Bild: Beate Nelken

Sie ist freischaffende Kostümund Bühnenbildnerin und Modedesignerin: Sabine von Oettingen ist eine Größe im Modegeschäft. Eine Erscheinung als Frau. Sie ist zugereiste Berlinerin, die seit 1990 in Halle familiär und beruflich fest verwoben ist.

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Das Rattern einer Nähmaschine ist für die Künstlerin das vertraute Geräusch. Als fernes Signal zieht es sich durch ihre Kindheit, bis die Mutter ihr irgendwann das Nähen beibringt. Das Schneidern wird dann zum lebenswichtigen Elixier. Sabine von Oettingen entwirft erste Schnitte oder näht das, was ihr gerade in den Sinn kommt. Sie ist entflammt. Nebenher arbeitet sie am Berliner Ensemble in der Werkstatt bei Eduard Fischer und fertigt Kostümplastiken an.

Auf der Suche nach Inspiration, nach Lebensentwürfen fernab vom sozialistischen Vorbild, findet sich im Berlin der DDR eine lose Gruppe junger Künstler zusammen. Durch die künstlerische Arbeit können die ihrer Unangepasstheit Ausdruck verleihen. Die Mode von Sabine von Oettingen, das Dasein der jungen Menschen ist schrill, schräg und schreit nach Öffentlichkeit. Den nötigen Raum, um zur Schau zu stellen, was in den Köpfen der jungen Künstler an Potential vorhanden ist, bietet keine geringere als die in Halle bestens bekannte Fotografin Helga Paris.

Sabine von Oettingen und der ganze anarchistische, bunte Haufen öffnet in der Berliner Wohnung von Helga Paris die Flügeltüren, zieht den Stubentisch aus, stellt den Küchentisch dazu, besorgt Scheinwerfer, sucht Musik aus und schleppt Bier in die zweite Etage. Die Show beginnt. Anmutig, von heiterem Widerstand angefüllt, kreativ und lustig stolziert sie mit ihren Models über den Laufsteg, gleich neben der Küche.

Die Mode der Oettingen, dazu das unwiederbringliche Lebensgefühl – wider die Tristesse dieser Zeit – sprüht Funken. Neue Kollektionen, neue Partys, neue Modeschauen, ein Label muss her, es entsteht: CCD – „Chic, charmant und dauerhaft".

Der Modewahnsinn nimmt seinen Lauf. Aus schwarzer Folie zum Abdecken von Erdbeeren im Freiland werden auffällige Kleider genäht, für die extravaganten Rüschen und Kragen halten in Drogerien aufgestöberte Duschvorhänge her.

Fetzige Modeschauen entpuppen sich zu unvergessenen Inszenierungen, aus CCD formt sich die Modegruppe Allerleirauh. Die schönen und jungen Wilden, verpackt in die ungewöhnlichsten Materialien der sozialistischen Planwirtschaft, platzen aus allen Nähten. Sabine von Oettingen eine der schillernden Hauptdarstellerinnen mittendrin. Das Spektakel aus Mode und Schauspiel, Tanz und Performance findet einen seiner Höhepunkte in der Gethsemanekirche in Berlin. Das Leben pulsiert, die Mode brilliert als Zeichen der Leichtigkeit gegen das starre System der DDR.
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„Ein Label musste her: ,Chic, charmant und dauerhaft’.“

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Die unerschrockene junge Frau kann kaum glauben, dass sie 1989, zwei Jahre, nachdem sie über eine Scheinehe das Land verlassen hat und fortan in Westberlin lebt, den Kreativpreis für ihr künstlerisches Werk verliehen bekommt. Die Folge: Aufträge aus der BRD-Modeindustrie. Sie lehnt ab.

Nach der Wende verschlägt es die Designerin über Umwege nach Halle, sie bietet ihre Kollektion im eigenen Laden „Takelage" an, wenig später ist ihr Label auch im Specks Hof in Leipzig zu finden. Sabine von Oettingen entwirft, näht, verkauft und arbeitet parallel immer fürs Theater und Opernhaus; bundesweit und in Frankreich.

1999 lockt im Mansfelder Land ein alter Hof, die Unternehmerin packt alle Sachen zusammen, zieht aufs Land und arbeitet von dort aus weiter. Mitten im ländlichen Alltag taucht ein alter Bekannter, Marco Wilms, auf und bittet sie, an einem Film über die unvergessenen, leichtsinnigen und unangepassten Anfangsjahre in Berlin mitzuarbeiten, das Feeling von damals für immer auf Zelluloid zu bannen. Der Film „Ein Traum aus Erdbeerfolie. Eine wilde Reise in die Parallelwelt der Mode- & Überlebenskünstler der DDR" holt die jungen Helden der Berliner Modeszene von damals noch einmal zusammen.

Für Sabine von Oettingen wird der Film zum Sprungbrett nach New York. Sie wird u. a. ins MoMa eingeladen und stellt, zusammen mit dem Fotografen Jürgen Hohmuth in Manhattan aus. „New York ist da, wo wir sind" ist der Titel der grandiosen Ausstellung, welche auch von der Kunststiftung Sachsen Anhalt unterstützt wird. Mehr Karriere geht eigentlich nicht. Seit fünf Jahren ist sie nun wieder in Halle zu Hause, fertigt Mode wie eh und jeh, fährt auf Kunsthandwerkermärkte und bewahrt neben Stoffen, Bordüren und Knöpfen den 2018 verliehenen Verdienstorden des Landes Sachsen-Anhalt als Kulturbotschafterin auf.

Jetzt aber hat sie einen neuen Ort für sich und ihre Mode geschaffen, in Halle, in der Talstraße. In einem zauberhaften Atelier breitet die Modedesignerin energisch, einmalig und erlesen ihre Kollektion aus. Eine zugereiste Kundin sagte neulich zu ihr: „Willst Du eine echte Hallenserin werden, brauchst Du mindestens eine Teekanne von Martin Möhwald und so ’ne Bauchtasche von der Oettingen!" Beides – selbstverständlich – zu haben in Halle-Kröllwitz.

Sabine von Oettingen lädt zum Atelierfest, am 13. April von 12.00–20.00 Uhr und am 14. und 15. April von 12.00–18.00 Uhr in der Talstraße 7/8 in Halle, www.takelage.com


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