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: Bühnen :: Ein Gruß an Michelangelo :
In der Kammer des Neuen Theaters sind schon einige kleine, aber feine Inszenierungen gelaufen. In dieser Tradition steht auch Mark St. Germains "Die Tanzstunde" unter der Regie von Dietmar Rahnefeldet. Mittendrin gibt es eine unvergessliche Szene

Text: Mathias Schulze; Bild: Anna Kolata

„Ich glaub’ ich geh’ heut’ nicht mehr tanzen / Ich glaub’ ich rauche heute Pflanzen." Ein Song von Annenmaykantereit eröffnet den Reigen, die raue Stimme des Sängers krallt sich gleich mit ihrer melancholisch- traurigen Einsamkeitslust ins Gemüt. Die Drehbühne zeigt eine Wohnung, die mit ihrem Gentrifizierungsdruck und ihrer gelebten Anonymität in jeder modernen Industriegesellschaft vorkommt. Der Ort des Geschehens sind die USA, die uns bekannte westlich geprägte Kultur. 

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Der Tänzerin Senga (Nora Schulte) sind die Flügel gestutzt, das Knie ist im Eimer, Senga greift beherzt zur Flasche. Dabei ist sie eine von vielen Abgeknickten, die sich im urbanen Kapitalismus abschotten wollen. Nebenan wohnt Ever Montgomery, der herrlich steif und zum Knuddeln schräg von Alexander Pensel gespielt wird. Ever leidet unter einer Form des Autismus und kann Körperkontakt mit anderen Zweibeinern nicht ertragen.

So weit, so schlicht. Beide treffen sich natürlich gegenseitig ins Mark. So weit, so unspektakulär. Das Ganze ist witzig und tragisch, dabei wirft Nora Schulte wohltemperiert jenes einnehmende Lächeln ins Rund, das innerhalb von Sekunden entwurzeln kann.

Und dann gibt es noch eine Szene, die alle Freunde des Deckenfresko- Ausschnittes „Die Erschaffung Adams" entzücken kann. Eine Szene, die unendlich tief in den Zauber der theatralen Bühnenkunst entführt.

Da stehen sie also, die Senga und der Ever. Hilflos, getroffen, verletzt. Aus der Ferne reichen sie sich die Hände. Scheu, zweifelnd, hoffend. Während scheinbar das Dach der Welt über ihnen zusammenbricht, kommen sich ihre nackten Finger immer näher. Millimeter um Millimeter. Ganz still ist es im Saal, derweil das Kopfkino rast. Millimeter um Millimeter.

Die Frage ist nicht, wann und ob sie sich berühren und für Sekunden erlösen werden. Die Frage ist, warum so eine (scheinbar) schlichte Szene so viel Erotik, Intimität und zwischenmenschliche Kraft beherbergen kann. Eine seltene, eine seltsame Szene, die eine innere Weite eröffnet, die sprachlos macht. Alle Weltbilder fallen aus dem Rahmen, man fühlt den Puls der Erde.

In der unterhaltsamen „Tanzstunde" gibt es etwas Unvergessliches zu erleben. Michelangelo sei gegrüßt!

Die Tanzstunde, nächste Vorstellung am 23. Mai um 20 Uhr, alle Termine: www.buehnen-halle.de 

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