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: Bühnen :: Keine Therapie schlägt an :
Kurz vor der Generalprobe zu "The King's Speech" haben wir NT-Intendanten Matthias Brenner getroffen. Ein Gespräch zwischen hoher Theaterkunst und "verheddertem Betriebsfriedens-Scheiß"

Text: Anett Krake; Bild: Falk Wenzel

Vor der Generalprobe im neuen Theater: Techniker richten die Scheinwerfer, in der Maske herrscht Hochbetrieb, die Schauspieler untermauern noch schnell ihren Adrenalinspiegel bei einem Getränk in der Kantine. Matthias Brenner sitzt im noch leeren Theatersaal und schaut auf eine von drei Seiten begehbare Treppenkonstruktion, das Bühnenbild zu „The King’s Speech". 

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Brenner, der Fels in der Brandung, der seit 2010 an der der Spitze des neuen Theaters agiert, führt bei einem Stück Regie, bei dem es um die Würde und Haltung zu unserer Sprache geht.

„The King’s Speech", die Rede des Königs basiert auf einer wahren Begebenheit in England, im Jahr 1936. Erzählt wird die Geschichte von George VI., dem Vater der amtierenden Queen Elisabeth, der von Kindesbeinen an stottert, von Leid geprägte Kindheitsjahre hinter sich hat und als Zweitgeborener für die Thronnachfolge nicht in Frage kommt. Das Haupt seines Bruders David, der Erstgeborene und somit Auserkorene, soll die Krone tragen.

Doch David entsagt dem Thron, sein jüngerer Bruder muss nun doch in die königlichen Fußstapfen treten. Doch wie soll das gehen? Ein Stotterer auf dem Thron? Keine Therapie schlägt an, kein Sprachtraining verschafft Linderung, die Sätze kommen ihm nur in Bruchstücken über die Lippen.

Das ist kaum zu verstehen. So wenig übrigens wie der nicht enden wollende Streit zwischen Halles Theater- und Opern-Geschäftsführer Stefan Rosinski und Matthias Brenner, der gerade das Stadium der Schlammschlacht erreicht hat und eigentlich zu viele wertvolle Energien absorbiert. Was unweigerlich zur Frage führt, wie man dann „nebenbei" auch noch erfolgreich inszenieren können soll?

Brenner sagt, er halte sich an ein Zitat von Stanislawski: „Wenn man ein Theaterhaus betritt, dann hängt man seine Alltagssorgen mit dem Mantel an den Haken. Es sei denn, jemand hat Liebeskummer, ist schwer krank, oder wir haben einen Kollegen für immer verloren". Dann dürfe der Kummer auch bis zur Bühne durchdringen. „Bei den Proben aber", so sagt es Brenner weiter, „ist von dem Konflikt um Macht und von dem verhedderten Betriebsfriedens- Scheiß Gott sei Dank nichts zu spüren."

Zwischen der Arbeit an „King’s Speech" und dem sonstigen Theateralltag bezieht Matthias Brenner in diesem verfahrenen Macht- und Kompetenzpoker klar Haltung zu seinem Ensemble, seiner Theatercrew, seiner künstlerischen Arbeit. Brenner sagt: „Es geht um Vertrauen, um die Würde des Zusammenarbeitens, um ein Miteinander auf Augenhöhe, dass ihn und seine Mitstreiter in der künstlerischen Freiheit nicht einengen und Voraussetzung für kreatives Denken ist."

Die Stimme der Regieassistentin hallt durchs Theater und kündigt den Beginn der Generalprobe an. Mit Leichtigkeit, heiter, amüsiert, die Arme fliegend ausgebreitet, wird das Theaterstück von Kindern eröffnet. Dann tritt Matthias Walter dazu und steht erhaben auf der Treppe, seine Stimme dazu hallt aus dem Off. 

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„Es ist kühn zu behaupten, das Stück überträfe den gleichnamigen Kinofilm. Aber so ist es!“

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Die verzweifelten Versuche, aus Bruchstücken flüssige Sätze zu formen, fressen das Selbstwertgefühl des jungen King George auf, der grandios von Matthias Walter gespielt wird. Seine Rettung, Lionel Logue, der australische Sprachspezialist, der auf der Bühne von Harald Höbinger verkörpert wird. Es scheint, als hätten Walter und Höbinger ihre passgenaue Rolle gefunden, sie liefern glaubwürdiges, emotionales Schauspiel auf höchstem Niveau. 

Matthias Brenner weiß, was sein Ensemble kann, bei den Proben zu „The King’s Speech" sind Inszenierungsvorschläge von den Schauspieler gekommen, so sagt er, „die besser waren als seine eigenen Einfälle. So muss es sein, das ist Auseinandersetzung mit dem Bühnenstoff bis in alle Poren und von allen Beteiligten". Dies merkt man dem Stück an. Es ist kühn zu behaupten, es überträfe den gleichnamigen Kinofilm. Aber so ist es! 

Auf der Bühne schaffen es King George und Lionel Logue, trotz Schwierigkeiten und Konflikte zusammenzuarbeiten, wahrhaftig, gleichberechtigt. Im Stück stellt der Sprachspezialist an den künftigen König die Frage: Wozu sind Freunde da? Um sich aufeinander verlassen zu können, heißt die unausgesprochene Antwort. Verlässlichkeit macht manches leichter. 

Übrigens, was der tolle Beginn verspricht, hält das gesamte Stück: Gänsehautmomente, verblüffende Schauspielleistungen, Szenen, die einem den Atem stocken lassen. Dazu entzückende Kostüme, musikalische Akzente und technische Effekte im Zusammenspiel aller Gewerke. Ein grandioses, starkes Theaterstück. Gut möglich, dass es das eindrucksvollste ist, was das Theaterhaus derzeit zu bieten hat. 

The Kings Speech, 09. Mai 2019/10. Mai 2019/ 19.30 Uhr/23. Mai 2019, jeweils 19.30 Uhr 


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